Kurzfassung

Was ist das?

Tech-gestütztes Stalking ist die Nutzung von Konsumententechnologie — Apps, Standort-Tracker, Smart-Home-Geräte, geteilte Konten, Überwachungshardware — durch eine Person, um eine andere zu überwachen, zu kontrollieren, einzuschüchtern oder zu schädigen. Die Technologie ist selten exotisch. Es ist meist Standard-Hardware und Apps, die für harmlose Zwecke vermarktet werden.

Fünf sich überlappende Kategorien 2026:

  1. Standort-Tracking. AirTags, Tile, Galaxy SmartTags, GPS-Tracker von Amazon, App-basiertes Echtzeit-Teilen (Life360, iCloud Find My, Google Family).
  2. Stalkerware auf Telefonen. Apps, die ihr Icon verstecken, Anrufe und Nachrichten protokollieren, Audio aufnehmen und Standort melden. Vermarktet als „Elternkontrolle" oder „Fuhrpark-Management"; überwiegend gegen Intimpartner eingesetzt. Namen: mSpy, Cocospy, FlexiSpy, Cerberus und viele andere.
  3. Smart-Home-Missbrauch. Der Angreifer kontrolliert Thermostat, Licht, Türklingelkamera, smartes Schloss — manchmal nach dem Ende der Beziehung.
  4. Missbrauch geteilter Konten. E-Mail, iCloud, Google, Netflix, Banking, Amazon, Social Media — Konten, zu denen der Angreifer noch Passwortzugriff hat oder die zu seiner Telefonnummer wiederherstellbar sind.
  5. Doxing und Online-Belästigung. Persönliche Infos öffentlich gepostet, um Dritte zur Belästigung einzuladen, oder benutzt, um falsche Meldungen bei Polizei („Swatting"), Kinderschutz, Ausländerbehörde oder Arbeitgeber zu erstatten.

In der überwiegenden Mehrzahl dokumentierter Fälle ist der Täter — oder war — jemand, den das Opfer gut kannte. Fremde, die diese Werkzeuge zur Verfolgung unbekannter Ziele nutzen, existieren, sind aber seltener.

Wie erkennt man es?

Zeichen für physisches oder Standort-Tracking:

Zeichen für Stalkerware auf einem Telefon:

Zeichen für Missbrauch geteilter Konten:

Zeichen für Smart-Home-Missbrauch (nach Ende der Beziehung):

Was tun?

Wenn du in einer missbräuchlichen Beziehung bist oder Vergeltung fürchtest: HALT INNE.

Bevor du irgendeine Technologie änderst — bevor du ein einziges Passwort änderst — kontaktiere eine Beratungsstelle für häusliche Gewalt in deinem Land. Sie können dir helfen, die Schritte so zu ordnen, dass sie den Täter nicht warnen, bevor du physisch sicher bist. Als Erstes das E-Mail-Passwort zu ändern, ist oft der falsche Zug. Die richtige Reihenfolge ist landes- und situationsspezifisch. Die Nummern unten existieren genau dafür.

Allgemeine sicherere Reihenfolge (wenn das Vergeltungsrisiko gering ist):

  1. Wähl ein „sicheres Gerät" — ein Gerät, auf das der Täter nie physischen Zugriff hatte. Ein neues Telefon, ein Laptop einer Freundin, ein Bibliothekscomputer. Nutz dieses für die restlichen Schritte.
  2. Vom sicheren Gerät aus ändere zuerst das E-Mail-Passwort. Dann Bank, dann iCloud oder Google, dann Social Media, dann alles andere. E-Mail ist der Hauptschlüssel.
  3. Aktiviere 2FA überall, mit einer Authenticator-App, idealerweise auf dem sicheren Gerät.
  4. Prüf Gerätelisten in jedem Konto — log unbekannte Geräte aus.
  5. Prüf Wiederherstellungskontakte in jedem Konto — ändere sie zu deiner neuen Nummer oder E-Mail, nicht zu den alten.
  6. Auditier dein Telefon auf Stalkerware. Ein Werksreset ist die zuverlässigste Bereinigung; wenn das nicht geht, scanne mit einer seriösen Mobile-Security-App (Bitdefender, Malwarebytes, Sophos). Die Coalition Against Stalkerware (stopstalkerware.org) listet Ressourcen.
  7. Scan nach Standort-Trackern. AirTags alarmieren iPhones jetzt automatisch. Auf Android installier Tracker Detect und nutz den OS-Scan „unbekannte Tracker". Leer deine Tasche auf einen Tisch; prüf das Auto, die Tasche deines Kindes, das Jackenfutter innen, das Hundehalsband.
  8. Auditier Smart-Home-Geräte. Log den Täter aus jedem Konto aus: smarte Schlösser, Türklingeln, Kameras, Thermostate, Hubs. Wo möglich, Werksreset und neu koppeln.
  9. Sichere Beweise. Screenshots von Alarmen, Fotos von gefundenen Trackern, exportierte Chatverläufe, App-Berechtigungs-Listen, Login-Versuchs-Benachrichtigungen. Halt sie auf dem sicheren Gerät und in Cloud-Speicher, auf den der Täter keinen Zugriff hat.
  10. Sag einer vertrauenswürdigen Person, was du tust, inklusive wo du bist. Geh das nicht allein durch.

Wenn du nicht in einer Beziehung bist — Fremde, Online-Belästigung, Doxing:

Was NICHT tun?

KI zur Hilfe nutzen

Ein möglicherweise überwachtes Telefon auditieren:

„Ich habe ein [iPhone / Android] mit [Version] und befürchte, dass jemand Überwachungs- oder Stalkerware darauf installiert haben könnte. Unten steht, was ich beobachtet habe und was ich über den Zugriff auf das Gerät weiss. Bitte gib mir (a) ein schrittweises Audit, das ich heute Abend ohne die Person zu warnen durchführen kann, (b) welche konkreten Einstellungen oder Menüs zu prüfen sind (Akkuverbrauch, Bedienungshilfen-Dienste, Geräteadministrator-Apps, Profile, App-Berechtigungen), (c) welche die sicherste Bereinigungsoption in meiner Situation ist, und (d) was ich als Beweise behalten soll und wie.

Situation: [einfügen]"

Einen Sicherheitsplan zum Verlassen einer tech-kontrollierten Umgebung entwerfen:

„Ich plane, eine Situation zu verlassen, in der mein Partner Zugriff auf mein Telefon, meine E-Mail, meine Smart-Home-Geräte und geteilte Konten hatte. Bitte hilf mir, einen schriftlichen Sicherheitsplan aufzubauen, der (a) die Reihenfolge, in der ich Dinge tun sollte, um das Vergeltungsrisiko zu minimieren, (b) was ich NICHT anfassen sollte, bis ich physisch sicher bin, (c) was ich in Bezug auf Geräte und Passwörter aus dem gemeinsamen Zuhause mitnehmen sollte, (d) was ich erwarten kann, dass er tut, wenn er den Zugriffsverlust bemerkt, und (e) wen ich für Unterstützung speziell in meinem Land [Land] kontaktieren soll. Ich werde auch mit einer Hotline für häusliche Gewalt sprechen; dieser Plan hilft mir, meine eigenen Gedanken zu ordnen."

Zur Erinnerung: KI kann dein physisches Sicherheitsrisiko nicht einschätzen. Sprich mit einer Beratungsstelle für häusliche Gewalt zusätzlich zu jedem KI-Plan. Deine Sicherheit kommt vor jeder Optimierung der technischen Schritte.

Wen anrufen?

Die Reihenfolge ist für dieses Thema ungewöhnlich: zuerst die Beratungsstelle für häusliche Gewalt, dann alle anderen.

Aktuelle Kontakte für dein Land mit KI finden:

„Ich bin in [dein Land]. Liste die offiziellen Dienste für tech-gestütztes Stalking, Intimpartner-Missbrauch und persönliche Sicherheit auf — die nationale Hotline für häusliche Gewalt (24 Stunden, wenn verfügbar), den spezifischen Dienst in diesem Land für Tech-Missbrauch oder Zwangskontrolle, die Polizei-Einheit für häusliche Gewalt, die Rechtsberatung für Kontaktverbote oder Schutzanordnungen, die Datenschutzbehörde bei missbräuchlicher Nutzung meiner persönlichen Daten und die nationale Cybercrime-Einheit. Gib für jede die offizielle Website und die öffentliche Telefonnummer an und sag mir, welche zuerst zu kontaktieren ist, je nachdem ob (a) ich noch mit der Person zusammenlebe, (b) ich gerade gegangen bin, oder (c) ein Fremder mich belästigt oder doxt. Zitiere jede Quelle. Kennzeichne, was veraltet sein könnte."

Eine kurze kuratierte Liste:

Wann außerhalb des Chats eskalieren?

Quellen & weiterführende Lektüre